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Julia Biel: Songs mit Gänsehaut-Garantie

britische Sängerin Julia Biel neues Album

Worum geht’s? Julia Biel, Jamie Cullum, Tori Amos, neues Album, Musik

Sängerin Julia Biel hat nach ihren Erfolgen und Preisen mit „Not Alone“ und „Love Letters And Other Missiles“ jetzt ihre lange erwartete neue Platte rausgebracht.

Auch der britische Singer/Songwriter Jamie Cullum hat sich in die Stimme von Julia Biel verliebt, deren Karriere in den vergangenen Jahren steil bergauf ging. Die Platte, die sie frisch auf den Markt gebracht hat, berichtet vom Leben mit all seinen Facetten. Besonders dann, wenn euer Weg mal nicht geradlinig geht, solltet ihr euch ihre Songs reinziehen – auf dem Album paart sich eine mitreißende, treibend-schwebende Melancholie mit einer schönen, facettenreichen Stimme, die unter die Haut geht.

Beim ersten Hören bekommt man das Gefühl, dass Julia Biel mit ihrem vierten Studioalbum den künstlerischen Anspruch noch einmal gesteigert hat. Perfekte Performance, geschmackvoll produziert. Das mit „Julia Biel“ betitelte Album lebt von den inhaltlich sehr persönlichen und poetischen Texten, die bis auf eine Ausnahme alle aus der Feder der Künstlerin stammen.

Kraftvolle Stimme und coole Grooves

Gerade das erste Lied des Albums, „Always“, besingt das Verlassenwerden und eine Einsamkeit, die Julia Biel aber mit Farben zu füllen vermag. Ein fast schüchtern zurückgehaltenes, aber auf bestimmte Aussage gesungenes „Ich werde auf dich warten“ treibt dir die Gänsehaut auf den Arm. Und macht klar, dass Julia Biel hier noch nicht alles gegeben hat – ihre Stimme ist kraftvoll und vermag über mehrere Oktaven eine Lebensfreude auszudrücken, die dir den Atem nimmt. Eine Stimme, um sich darin zu verlieren. Songs, um die Zeit stillstehen zu lassen.

Im zweiten Song „Say It Out Loud“ besingt eine etwas gefasstere, soulige Julia Biel zwischen kerniger Tiefe und leicht schwingender Höhe, dass es Sinn im Leben macht, die Dinge beim Namen zu nennen. Auch bei „Wasting Breath“ überzeugt nicht nur die Sängerin, sondern auch ihre Band. Coole Grooves lassen diesen Live-advice-Song in perfektem Mikro-Rhythmus aufblühen. Und die Sängerin erscheint trotzdem super entspannt – „du wirst mein Herz brechen“.

Balladen für den Sonntagmorgen

Das eher intime „Something Beautiful“ gehört zu den Balladen, die man auf seine Sonntagmorgen-Playlist nehmen möchte. Der Song „Critical Condition“ hat etwas Dunkel-Verführerisches und erzählt von den extremen Emotionen, die ein Liebender empfindet – frei übersetzt: „Ich liebe dich, ich hasse dich, ich kann von dir nicht lassen.“ Das sechste Lied „Diamond“ schlängelt sich zwischen sanftem Folk, Cinema-Pop und sublimem Jazz seiner Wege. Sanft sind die Lieder von Julia Biel, man muss nur in der Stimmung für diese zarte Musik sein. Dann strahlt sie aber umso mehr auf.

Als besonders ehrlich wird sich „The Wilderness“ in euer Ohr schleichen. Ein Song, der mich an Tori Amos erinnert, wenn sie als singende Jazzgitarristin bekannt geworden wäre. Die Metaphern im Songwriting sind wunderschön gewählt, bei „Wasting Breath“ wie auch beim fast rockigen „Dead Slept Rough“ und Julias „Hymn to the Unknown“, welches die Fragezeichen, die sie an ihre Zukunft richtet, ausformuliert.

Ein Album zum Entspannen

Julia Biels neues Album ist recht philosophisch. Die Sängerin besingt viele Lebenslagen und stellt sich auf dem Album Fragen, mit denen wir uns alle beschäftigen. Ihr Album fließt sanft wie ein Fluss und wo ihre Gedanken strömen, darf die besungene Zeit mal langsam, mal schnell vergehen. Gesanglich und dynamisch bilden die zwei Lieder „Emily“ und „You Could Turn A Rainbow Grey“ für mich den emotionalen Höhepunkt, erweitern den Horizont der Platte, kommen zum Teil an, bleiben zum anderen Teil auf der Suche.

Diese Suche ist das Grundthema, welches ich auf Julia Biels neuer Platte fühle. Das Pendel schlägt in verschiedene Richtungen aus, doch die Lieder finden stets zurück zum Selbst, zum Ursprung der den Song bestimmenden Emotion. Julia Biels neues Album kann euer eigenes Selbst anschwingen, wenn ihr den freien Fall in diese genre-übergreifende, fragile Musik erlaubt. Es ist ein Album zum Entspannen, und ist es wert, wie ein Konzert mit voller Aufmerksamkeit genossen zu werden.

Text: Marion N. Fiedler
Foto: PR

Jetzt seid ihr dran: Welche Musik sollen wir in der CAZ vorstellen? Kleine Alternative Projekte oder lieber die Chartstürmer? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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